Angewandte Förderpädagogik für das Lehramt an Berufsbildenden Schulen

Fachleiter: Wolf E. Rose


 

 

 

 

Zusatzqualifikation im Seminar
„Angewandte Förderpädagogik in berufsbildenden Schulen“

Vorwort

Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, Beobachtungen vor allem in den Eingangsstufen der unterschiedlichen Schulformen an berufsbildenden Schulen und die Betrachtung einschlägiger Statistiken lassen nur einen Schluss zu: die Gruppe der Schulverweigerer wächst. Eine nicht unerhebliche Zahl von schulmüden Schülerinnen und Schüler wendet sich vorübergehend oder auf Dauer von Schule und Lernen ab. Diesem Umstand begegnet die Institution Berufsschule mit immer wieder gewandelten Unterrichtskonzepten, die althergebrachte Strukturen des Lehren und Lernens durchbrechen und zu erhöhter Motivation aller am Unterrichtsgeschehen beteiligter Personen führen sollen. Erreicht werden damit aber in der Regel nur jene Schülerinnen und Schüler, die sich dem Unterrichtsgeschehen öffnen und deren individuelle Lernsituation aktives Lernen zulässt und fördert. Schülerinnen und Schüler außerhalb dieser Mehrheit nicht nur zu erkennen sondern trotz ihrer Lerndevianz adäquat zu fördern, stellt sich als besondere pädagogische Herausforderung an Lehrerinnen und Lehrer aller Alters- und Erfahrungsstufen, vor allem aber für Referendarinnen und Referendare am Beginn ihrer beruflichen Praxis heraus. Das notwendige Rüstzeug für diese Aufgabe kann nicht allein durch Kenntnisse theoretischen Hintergrundwissens erworben werden, sondern muss in der Unterrichtspraxis durch das Erleben, Analysieren und Auswerten unterschiedlicher Lehr- und Lernsituationen erarbeitet werden. Das stellt die unterrichtende Person in der täglichen individualisierten Arbeit vor allem dann vor schier unlösbare Probleme, wenn Bereiche der eigenen Persönlichkeit betroffen oder gar verletzt werden. Hilfestellungen an Schulen, z.B. durch gezielte Supervisionen sieht das institutionalisierte Schulsystem nicht vor, die Betroffenen werden zumeist mit ihren Problemen allein gelassen. Um diese Ausbildungslücke schon zu Beginn der Schulkarriere zu schließen, haben Referendarinnen und Referendare am Studienseminar Stade die Möglichkeit, im Rahmen einer Zusatzqualifikation „Sonderpädagogik“ erweiterte pädagogische Fähigkeiten praxisorientiert zu erarbeiten. Mit der Reflexion ihrer Unterrichtsarbeit durch die vollständige Seminargruppe wird die Individualisierung ihrer Schwierigkeiten im Umgang mit devianten Schülerinnen und Schülern ebenso wie mit problematischen Klassenkonstellationen aufgehoben und gemeinsam Lösungstrategien entwickelt.

Zum Rahmen

Die Zusatzqualifikation wird aud der Grundlage der Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über die Ausbildung und die zweiten Staatsprüfungen für Lehrämter (PVOLehr II) zu §8, Abs. 9 durchgeführt. Es finden Seminarveranstaltungen im Umfang von mindestens zwanzig Stunden statt. Die Referendarinnen und Referendare müssen im Verlauf dieser Ausbildung nachweisen, dass sie i.d.R. fünfzehn Stunden Ausbildungsunterricht in einer Klasse mit einem überdurchschnittlichen Anteil lernschwieriger Schülerinnen und Schülern (z.B. Berufsvorbereitungsjahr, schulisches Berufsgrundbildungsjahr, Berufsfachschule ohne Eingangsvoraussetzungen, etc.) gehalten haben. Die Zusatzqualifikation schließt einen besonderen Unterrichtsbesuch gemäß PVO-Lehr II ein. Am Ende der Ausbildung steht ein Kolloquium von mindestens zwanzig Minuten Dauer.

Zu den Zielen

Die Referendarin / der Referendar soll

  • lernbeeinträchtigte und / oder verhaltensdeviante Schülerinnen / Schüler frühzeitig erkennen;

  • die Ursachen für deren abweichendes Lernverhalten analysieren;

  • Konzepte zu ihrer unterrichtlichen Integration erproben;

  • planerische Sicherheit in der Entwicklung geeigneter Unterrichtsstrategien gewinnen;

  • Flexibilität in der Unterrichtsführung entwickeln;

  • in ihrer / seiner eigenen Persönlichkeit liegende fördernde und hemmende Voraussetzungen und Strukturen erfahrend entdecken;

  • die Lehrerinnen- / Lehrerpersönlichkeit entwickeln und stärken.

Zum Inhalt

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Einübung der Beobachtung signifikanter Faktoren des Bedingungsfeldes Schüler - Lehrer in Klassen mit einem hohen Anteil lernbeeinträchtigter und / oder verhaltensdevianter Schülerinnen / Schüler. Darauf aufbauend ...

  • werden Unterrichtseinheiten geplant und erprobt, die den Anforderungen von Lerngruppen mit weit auseinander klaffenden Lernvorausetzungen gerecht werden;

  • werden Strategien entwickelt und erprobt, um Unterrichtsstörungen zu erkennen und begegnen, deren Ursachen zu vermeiden und die Unterrichtsziele dennoch zu erreichen;

  • wird eigenes und fremdes Lehrerverhalten im Rahmen der Seminargruppe unmittelbar beratend analysiert.

 

Zur Organisation

 

  • Das Seminar ist in Gruppen von zwei bis vier Teilnehmerinnen / Teilnehmern organisiert, die möglichst aus benachbarten Berufsschulen stammen.

  • Jede Seminarveranstaltung beginnt mit einem Unterrichtsbesuch, den alle Seminarteilnehmerinnen/ -teilnehmer beobachten und auswerten. Daran schließt sich die Bearbeitung eines ausgewählten Themas im engen Rahmen dieser Zusatzqualifikation an.

  • Die Seminarveranstaltungen finden an einem in Absprache mit den Beteiligten festgelegten Wochentag in der Schule der Referendarin / des Referendars statt, die / der den Unterricht vorstellt. Für die anschließende Seminarsitzung organisiert sie / er einen geeigneten Raum vor Ort.

  • Der Terminplan für die Seminarveranstaltungen (= Unterrichtsbeginn) wird mit den Seminarteilnehmern zu Beginn der Veranstaltungsreihe festgelegt, spätestens jedoch in der vorhergehenden Seminarsitzung von der nächsten unterrichtenden Referendarin / dem nächsten unterrichtenden Referendar bekanntgegeben.

  • Die Fahrten zu den unterschiedlichen Schulstandorten sind Dienstreisen, Fahrtkosten können jedoch nicht erstattet werden.

 

  Stand: 22.01.2007